30. Mai 2017

67. Vertretertag des VBE Berlin am 22. Mai 2017

Podiumsdiskussion "Gewalt gegen Pädagogen"

  • Podiumsdiskussion "Gewalt gegen Pädagogen"

Der 67. Vertretertag des VBE Berlin hatte sich „Gewalt gegen Pädagogen“ als Kernthema ausgewählt. Immer wieder erscheinen Berichte über gedemütigte Lehrkräfte, geschlagene Erzieher, gemobbte Kollegen und bedrohte Schulleiter. Den Ursachen sollte in einer Podiumsdiskussion auf den Grund gegangen und Vorschläge zu notwendigen Reaktionen dargelegt werden.

Zur Podiumsdiskussion stellten sich die schulpolitischen Sprecher der im AOH vertretenen Parteien. Für die SPD diskutierte Frau Dr. Maja Lasic‘ (2.v.l.), für die CDU Herr Falko Liecke (3.v.l.), für die Linke Frau Regina Kittler (5.v.l.), für B. 90/ Die Grünen Frau Marianne Burkert-Eulitz (6.v.l.), für die FDP Herr Paul Fresdorf (1.v.l.) und als betroffener Lehrer Herr Ulrich Clemens (4.v.l.). Moderatorin, Heidrun Quandt, wollte zu Beginn wissen, welche Maßnahmen die Abgeordneten zur Eindämmung der Gewalt vorzuschlagen hätten.

Herr Fresdorf glaubt, dass Präventionsmaßnahmen allein nicht ausreichen. Obwohl es kein Allheilmittel gibt, muss sich Null – Toleranz durchsetzen. Außerdem muss jeder Angriff geahndet werden. Frau Kittler verweist darauf, dass Brennpunktschulen besonders betroffen sind. Sie fordert ein erhöhtes Meldeverhalten und keine Verharmlosung der einzelnen Fälle. Außerdem könnten sich Mobbingopfer an den Petitionsausschuss wenden.
Frau Lasic verweist ebenfalls auf die Problematik der Brennpunktschulen und möchte den präventiven Bereich gestärkt wissen. Herr Liecke stellt einen Zusammenhang her zwischen der Zusammensetzung in den Brennpunktschulen (Migrationshintergrund) und der Anzahl der Vorfälle. Außerdem kritisiert er die mangelnde Vernetzung zwischen den Institutionen (Jugendamt, Familienfürsorge, Polizei, Schule, Schulpsychologie). Konkrete Unterstützung vermisst er.
Herr Clemens ist überzeugt, dass das Meldeverhalten der einzelnen Schule von entscheidender Bedeutung ist. In Fällen von Mobbing versucht die Schulaufsicht oftmals durch Umsetzungen der Geschädigten an andere Schulen die Angelegenheit „klein“ zu halten. Frau Burkert-Eulitz betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Institutionen. Der Ruf der Schule muss zweitrangig sein.

Nach diesen allgemeinen Aussagen macht Heidrun Quandt auf die gängige Praxis aufmerksam, dass viele Schulleiter nach dem Motto „In meiner Schule kommt so etwas nicht vor“ versagen. Da der Schulleiter Dienstvorgesetzter ist, macht er sich bei Nichtbehandlung der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Dies sieht Frau Kittler ebenso und fordert in diesem Fall eine Anzeige.
Der Hinweis auf den Notfallordner ist für Herrn Clemens wenig hilfreich, da in den meisten Fällen nicht darauf zurückgegriffen werden kann. Im Laufe der Diskussion wird deutlich, dass Prävention zwar hilfreich sein kann, letztlich aber jeder einzelne Vorfall sofort verfolgt und gemeldet werden muss. Dabei müssen Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen sofort greifen. Der lange Weg der Reihenfolge muss im Notfall außer Kraft gesetzt werden. Auch das Einschalten der Polizei darf kein Tabu sein.

Der Kollege Clemens bringt noch den Täter-Opfer-Ausgleich in die Diskussion ein. Es muss möglich sein, Konflikte durch Gespräche zu lösen. Alle Teilnehmer betonen, dass auch Eltern sich an Regeln zu halten haben. Außerdem muss die „Unkultur“ des Wegschauens, des Ignorierens aufgebrochen und verbannt werden. Herr Fresdorf macht deutlich, dass Gewaltbereitschaft ein Problem der gesamten Gesellschaft darstellt. Herr Liecke berichtet von einer Arbeitsgruppe in Neukölln, „Kinder- und Jugendgewalt“. Ab 1.7.17 sollen 3-er Teams, bestehend aus Teilnehmern aus Schule, Jugendamt und Polizei, eine schnelle Intervention ermöglichen. In Fallkonferenzen arbeiten Familienrichter, Jugendrichter, Staatsanwälte, Polizei und Schule zusammen. Dieses Modell verlangt aber zusätzliche Ressourcen.

In der anschließenden Aussprache zeigten die Delegierten ein hohes Maß an Kenntnissen. Alle Beiträge machten deutlich, dass seitens des Dienstherrn bzw. der Senatsbildungsverwaltung noch viel zu wenig Unterstützung und Einsicht vorhanden ist. Allein im ersten Quartal 2017 wurden über 900 Gewaltvorfälle gemeldet. Da helfen keine Notfallordner und auch keine „Vogel-Strauß-Politik“. Konsequentes Handeln und die Ausschöpfung aller vorhandenen Maßnahmen können zu einer drastischen Minderung der Vorfälle führen. Pädagoginnen und Pädagogen haben einen Anspruch auf eine Beschäftigung, die frei ist von Bedrohungen, Angst und Zerstörung der Lebensfreude. Jeder Einzelne kann dazu beitragen, dass Gewalt an unseren Schulen der Boden entzogen wird.

Fazit:
Die Problematik ist bekannt, die Lösung aber schwierig. Es fehlt an/am
- Personal
- Absprachen
- Aussagen zur Verfolgung
- Abbau der Bürokratie
- finanziellen Mitteln
- Respekt des Lehrers in der Gesellschaft
- Der Wahrnehmung der Politik